Seaview/Washington State – Westküste für 4 WOCHEN – ein Traum für Home-Exchanger?

Eher ein Alptraum! Naja, nicht ganz.

Freitag ist letzter Arbeitstag. Wir gehen es gelassen an. Feierabend gegen 14 Uhr. Zuhause beginnen wir mit den obligatorischen Aufräumarbeiten. Die Betten waren bereits bezogen – also werden unsere Bettdecken und Kopfkissen gegen die Gästebetten ausgetauscht und in den Behältnissen, die auf den Schränken lagern, ausgetauscht.
Der User Guide für die Wohnung ist fertig – das Auto durchgecheckt und dessen Papiere und der Schlüssel liegen bereit.
Irgendwann zwischendurch kommt mein Sohn, erhält die letzten Anweisungen, das ausgedruckte Papier mit den Namen unserer Tauschpartner und auf dessen Rückseite den Ausdruck mit der planmäßigen Ankunftszeit des Paares aus den Staaten.
Dann ist er weg und wir bringen die Wohnung auf Vordermann.

Wie immer bekommen unsere Gäste eine Flasche Wackerbarth Sekt, eine Flasche Wein, der uns auch schmecken würde und 2 Leipziger Lerchen. Das ist ein Gebäck, das besonders erklärt werden muss. Und darum hat jede Bäckerei, die etwas auf sich hält und Leipziger Lerchen anbietet, eine Beschreibung in der Verpackung – natürlich in den wichtigsten Sprachen. Mein 🌞 hat unsere im Café Corso geholt, einem der ältesten Cafés, die in Leipzig zu finden sind.
Aber zurück zum Urlaub.

Da wir im diesjährigen Tausch auch das Auto einbezogen haben, der Flug aber Samstag früh 6 Uhr von Tegel über Amsterdam nach Portland geht, haben wir beizeiten die Bahn nach Tegel gebucht.
Der Zug hat Verspätung. Gerade als der ICE einfährt und wir einsteigen können, erhalte ich eine SMS dass der Zubringerflug nach Amsterdam gecancelt wurde – und das knapp 8 Stunden vor dem Flug.

Mir ist schlecht.

Was nun? Die ganze Vorfreude ist dahin, vorherrschend ist die Frage: Was wird denn nun? Komme ich in die Staaten? Und wann? Wer kümmert sich darum?
In dieser Konfusion klingelt das Handy. Vizepapa ist dran: Euer Flug wurde gestrichen – was nun? Ja das wissen wir doch auch noch nicht! In diesem Augenblick erreicht mich eine Mail: wir haben Sie umgebucht.
Ok.
9:55 geht der Flieger nach Paris. Dann weiter nach Atlanta. Dann weiter nach Portland/Oregon. Soweit so gut.
Es ist nachts gegen 0:15 Uhr und wir stranden am S- Bahnhof Tegel. Weiter zur U-Bahn und dann bringt uns ein gnädiger Taxifahrer zum Airport.
Da ist es 0:45 Uhr.

Die Mails der Fluggesellschaft über: „wir schenken Ihnen ein Essen“ und „… wenn Sie wollen übernachten Sie im Hotel auf unsere Kosten“ scheitern grandios, denn der Zusatz: „bitte wenden Sie sich an unser Bodenpersonal“ ist eine Floskel.
Das Bodenpersonal schläft bereits und die Hotline in Frankfurt/Main ist auch erst in der Früh wieder besetzt.
Der Flughafen in Tegel ist wie verwaist – nur gestrandete Passagiere liegen auf den verfügbaren Sitzen und warten schlafend auf die Aufnahme des Betriebes gegen 4 Uhr am Morgen.


Mein 🌞 geleitet mich in den Lounge-Bereich, den ich wahrscheinlich allein nie gewagt hätte zu betreten. Dort finden sich 2 Ledersessel, die uns den Schlaf erträglich machen.
Gegen 4 Uhr geht es nicht mehr – ich frage Tante Google nach Alternativen… und suche die Bestätigung. Dazu begebe ich mich zum CheckInn für den gecancelten Flug.

Ich finde Leidensgenossen.
Ein schwules Paar will nach Amsterdam zu einem Festival. Eine Dame begreift erst, nachdem wir sie darüber informieren, dass der Flug an die US Westküste gestrichen wurde.
Am Ende müssen wir feststellen: wir sind privilegiert -> unser Flug ist umgebucht und eingecheckt.
Natürlich finden wir die Lösung überhaupt nicht passend.

Wir starten 4 Stunden später, haben Zwischenstopps in Paris und Atlanta und den Ankunfts-Termin reißen wir um Längen!
Es wird also anstrengend. Paris ist schnell erreicht und wir haben 2 Stunden Aufenthalt.

Der verlängert sich jedoch noch einmal um 90 Minuten – unser Flugzeug nach Atlanta hat technische Probleme. Als es endlich losgeht, sind wir unsicher, ob wir den Anschlussflug nach Portland schaffen werden.

Egal – ankommen ist die Devise.


Doch es klappt – am Schalter für die „Immigration“ geht es zügig durch ( das erste Mal im Leben, dass ich meine Fingerabdrücke abgeben muss) und wir besteigen den nächsten Flieger 15 Minuten vor dem Take off.
Die Reise dauert insgesamt über 34 Stunden.

Nur unsere Koffer sind länger unterwegs – die haben den Anschluss in Atlanta verloren.

Weil auch die vereinbarte Abholung durch unsere Verspätung nicht stattfinden kann, verbringen wir die erste Nacht in den Staaten in einem typischen Motel – ich werde so recht an
Filme aus meiner Jugend erinnert 😉 aber die Betten sind riesig, wir können warm duschen und haben ja frische Wäsche im Handgepäck. Gute Nacht!

Am nächsten Morgen bin ich zeitig wach. Hunger!

Also auf zum Frühstück, das sich als ebenso delikat wie vegetarierfreundlich entpuppt. Nur der Kaffee … na, lassen wir das.

Die Freundin unserer Tauschpartner ist gegen 10:30 Uhr da und bringt uns – noch ohne Koffer – ins 2,5 Fahrstunden entfernte Ziel unserer Reise. Angekommen, erhalten wir die Schlüssel für Haus, Garage und Auto.

Im Urlaubsdomizil werden wir durch eine nette Geste empfangen.

Wir orientieren uns – wagen uns aber nicht aus dem Haus. Wir warten auf unser Gepäck.

Gegen 16 hält ein Auto vor dem Haus. Ein junges Paar steht mit unseren Koffern vor der Tür.

Unser lang ersehnter Urlaub kann beginnen!

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In diesem Sinn: Lebe lang ❤️!

 

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