Der Frühling kommt jetzt mit Macht und weißt Du wo ich das ganz genau bemerke ?
Im Leipziger Rosental.
Hier komme ich mir vor wie im Bärlauchland!

Sobald die Sonne jetzt wieder höher steigt, siehst Du in den Leipziger Auwäldern die vielen, herrlich grünen, Spitzen.

Klar, diese grünen Triebe siehst Du im Frühling überall – da musst Du nicht wirklich nach Leipzig reisen. Doch hier in den Auwäldern bildet Bärlauch riesige grüne Teppiche und es betört Dich dazu noch ein ausgesprochen „knoblauchiger“ Geruch!
Was nur bedeutet: Es ist Bärlauchzeit!

Für uns ist es jedes Jahr wieder ein Fest.
Wir schnappen uns einen Leinenbeutel und ziehen los – Bärlauch pflücken.

Auenwald mit Bärlauch“decke“

Natürlich nehmen wir nur soviel, dass wir privat bis zum nächsten Frühling kommen. Und wir gehen sorgsam mit den Pflanzen um. Das bedeutet, dass wir nicht ganze Pflanzen heraus reißen sondern pro Pflanze nur einige Blätter und Blüten ernten. Um den Bestand nicht zu gefährden lassen wir mindestens zwei Drittel einer Pflanze stehen.
Entgegen der landläufigen Meinung „man soll den Bärlauch nur ernten bevor er in der Blüte ist“, kann ich Dir aus eigener Erfahrung sagen: Das stimmt so nicht!

Bärlauch kann von März bis Juni geerntet werden – danach werden die Blätter gelb und verschwinden wieder. Er sammelt Kraft für das Austreiben im nächsten Jahr. Es sind  also Blätter, Blüten und Knospen verwendbar – allerdings sollte man sich sicher sein, dass es wirklich Bärlauch ist. Eine Verwechslungsmöglichkeit mit den hochgiftigen Maiglöckchen, Aronstab und Herbstzeitlosen  ist durchaus gegeben. Hier ist der unverkennbare Knoblauchduft ein herausragendes Erkennungsmerkmal.

Bärlauch in der Küche

Was machen wir daraus?

Zuerst wird ein großer Teil zu Bärlauchpesto verarbeitet. Dazu werden die Blätter und Blüten mit Nüssen und Öl gemixt. Welche Nüsse das sein sollen?

Klassischerweise wird ein Pesto  mit angerösteten Pinienkernen und Olivenöl zubereitet. Wir haben aber festgestellt, dass auch Cashews eine sehr gute Basis für Pesto sein können – allerdings wird hier der ganze Bärlauchgeschmack etwas abgemildert. Das Pesto kannst Du in Schraubdeckelgläser abfüllen und mit einer kleinen Schicht Öl abdecken. Im Kühlschrank hält sich das Pesto nahezu unbegrenzte Zeit, da Bärlauch antibakteriell wirkt und sich sozusagen selbst schützt.

Bärlauchpesto

Du kannst natürlich – bevor Du Dich auf eine Art Pesto festlegst – auch den Blattmix nur mit Olivenöl mischen und diesen als eine Art Würzpaste benutzen.

Eine andere Variante den Bärlauch aufzubewahren ist das Einfrieren der Blätter. Dann kannst Du diese bei Bedarf aus dem Kühlschrank holen, eine Teilmenge davon z.Bsp. in Streifen schneiden und im Salat, einer Suppe oder zu anderen Gerichten reichen.

Wichtig zu wissen:  Bärlauch verliert beim Kochen seinen strengen, knoblauchartigen Geschmack und wird dadurch etwas milder. Zum Trocknen eignet er sich aber überhaupt nicht – da wäre es schade um die Arbeit, die Du Dir damit machst.

Eine weitere Art, den Bärlauch zu verwenden, habe ich gerade erst vor einigen Wochen erfahren.

Wie wäre es denn mit Bärlauchkapern? Klingt interessant, oder?

Bärlauchknospen

Dazu werden Bärlauchknospen in Essig eingelegt – genauso kannst Du es ja auch mit den Knospen der Kapuzinerkresse machen.
Ich fand die Idee höchst interessant, und damit ich es nicht wieder vergesse,  habe ich bei der Dame, die diese „Kapern“ auf einer Tourismusmesse in der Sächsischen Schweiz angeboten hat, ein Foto des fertigen Produktes „geschossen“.

Bärlauchkapern

Bärlauch in der Heilkunde

Bärlauch ist ja eigentlich – ebenso wie der mit ihm verwandte Knoblauch – ein höchst gesundes Kraut, das unter allerlei lustigen Namen bekannt ist. So wird er u.a. auch Waldlauch, Zigeunerzwiebel oder Wilder Knofel genannt.

Bärlauch wurde schon in unseren Vorzeiten als Heil- und Würzkraut benutzt. Bereits in der Mittelsteinzeit – ca. 9500 bis 4500 vor Chr. – wurde Bärlauch gern benutzt. Den weisen Frauen war er als entgiftend, antibakteriell und entzündungshemmend bekannt. Sie haben ihn unter anderem zur Kräftigung und Anregung als auch als krampflösendes Mittel eingesetzt. Verdauungs- und appetitanregend ist er obendrein und in unseren zeiten konnte nachgewiesen werden, dass Bärlauch cholesterinsenkend wirkt.

Wer sich für natürliche Heilmethoden interessiert, dem fallen die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten dieses Krautes auf.  Das im Bärlauch vorhandene Allicin, das vor allem eben als natürliches Antibiotikum bekannt ist, wirkt z.Bsp. gegen Bakterien und Pilze. Dazu kommt dies chon erwähnte cholesterinsenkende Wirkung, die ein bewährtes Mittel gegen Gefäßverkalkung ist und so dem Herzinfarkt oder dem Schlaganfall vorbeugen kann.

Auch wenn es keine wissenschaftlichen Langzeitstudien zur Wirksamkeit von Bärlauch gibt, sind seine Heilwirkungen bereits von Maria von Treben ( 1907 – 1991 ) – einer der bekanntesten Spezialistinnen der Kräuterheilkunde, beschrieben worden. Sie hat die Herstellung einer Bärlauchessenz empfohlen. Dazu füllt man eine Flasche mit kleingeschnittenen Bärlauchblättern und füllt diese mit 40-prozentigem Branntwein auf. 2 Wochen sollte dieser Ansatz nun an einem warmen Ort ziehen, bevor man die Tinktur durch ein Sieb in eine dunkle Flasche abseiht. Maria von Treben hat empfohlen von dieser Essenz täglich zu vier Zeiten 10 – 15 Tropfen einzunehmen. Bei Durchfall, Gedächtnisschwäche, chronischen Hauterkrankungen oder Schlafstörungen sollen diese Tropfen helfen.

Man kann aber auch jeden Tag einen Teelöffel Bärlauchpesto einnehmen um Gesundheit und Wohlbefinden zu unterstützen.

Waldweg gesäumt von Bärlauchwiesen

Der hohe Chlorophyllgehalt – das ist der grüne Pflanzenfarbstoff –  von Bärlauch ist ein weiterer Grund für die gesundheitliche Bedeutung dieser Pflanze. Chlorophyll ist dem Hämoglobin im Blut des Menschen sehr ähnlich. Chlorophyll und Hämoglobin unterscheiden sich nur durch eine Kleinigkeit: Anstelle des Eisenmoleküls im Zentrum des Hämoglobins enthält Chlorophyll ein Magnesiummolekül. Daher wird Chlorophyll oft als „grünes Blut“ bezeichnet. Chlorophyll verbessert die Sauerstoffversorgung des Blutes und damit des Körpers und auch die Blutbildung.

Bärlauch in der Alternativmedizin

Zudem kann der Wundheilungsprozess im Körper verbessert und Entgiftungsprozesse angesteuert werden. Hierbei sollen Giftstoffe, Schwermetalle und krebserregende Stoffe ausgeleitet werden.  Die Entgiftung nach Dr.Klinghardt sei hier stellvertretend genannt. Wer sich dafür interessiert kann unter diesem Stichwort viele Informationen im Internet finden.

Übrigens:

Bärlauch ist sehr reich an Vitamin C. In 100g befinden sich 150mg dieses Vitamins. Um dieselbe Menge durch die erklärte Vitamin C Bombe – die Orange – zu sich zu nehmen, muss man 2,5 Früchte essen. Allerdings sind 100g Bärlauch auch schon eine ganze Menge und die verspeist man in der Regel nicht auf einmal.

Und so kann ich Dir den Bärlauch nur wärmstens ans Herz legen. Sein Geschmack, der Duft und die ihm innewohnenden Heilkräfte sind ein guter Grund, sich für diese Pflanze zu interessieren und gerade im Frühjahr in den Speiseplan mit einzubeziehen. In Streifen geschnitten passt er über jeden Salat und gibt ihm eine pikante Note. Und der Knoblauchduft? Der ist lange nicht so intensiv wie bei seinem namensgebenden Verwandten!

Und wenn er Dir wider Erwarten nicht schmeckt, dann nutze den Frühling doch einfach zu langen Spaziergängen im Wald und schau mal nach, ob auch in Deiner Umgebung diese uralte Heilpflanze wächst.

Lebe lang!

 

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