2017 habe ich den, seit Jahrzehnten gut mit mir lebenden, Schweinehund ausgetrickst.  Ich hab mich einfach so zum Firmenlauf angemeldet und so gezwungen, immer mal wieder die Laufschuhe zu schnüren.

Und was soll ich sagen ? Es hat begonnen, mir Freude zu machen – ja es gibt Tage, da muss ich einfach nochmal los! Laufen.

Es ist schon komisch. Anfangs habe ich mich auch den Kopfhörern vehement verweigert. Mittlerweile höre ich Hörbücher und gerade eines zum zweiten Mal. Es heisst: „Warum wir laufen“ und ist von Ronald Reng.

Als Jugendlicher war Ronald Reng einer der besten Mittelstreckenläufer in Hessen. Aufgewachsen in Fischbach – das liegt zwischen Frankfurt und Wiesbaden im Taunus – hat er dort trainiert und einige Erfolge erzielt.

In diesem Buch schreibt er über seine Läuferfamilie – die Mutter, die sich mit „Ich laufe dann mal los“ verabschiedet und der Vater, der sich aus aller Welt Bücher über das „richtige“ Laufen mitbringt und doch immer an dem ihm eigenen, unverkennbaren Laufstil schon von weitem zu erkennen ist.

Und er fragt sich: Warum laufe ich eigentlich nicht mehr?

So beginnt seine Streifzug durch die Geschichte des Laufens bei seinen eigenen Erfolgen als Jugendlicher. Ronald Reng beschreibt, wie er damals seinen Körper beobachtete, sich ambitionierte Ziele setzte und welche Glücksmomente ihm das Laufen beschert hat.

Den Namen Dr. Ernst van Aaken habe ich im Leben noch nie gehört und nun schildert Ronald Reng eindringlich die Mission, auf der dieser Landarzt unterwegs war. Der Arzt (1910 – 1984) , der in Waldniel – tief im Westen der Republik – lebte, ging als „Laufdoktor“ und Erfinder des „Waldnieler Dauerlauftrainings“ in die Laufgeschichte ein. Er setzte sich mit Begeisterung und Durchsetzungswillen für den Langstreckenlauf und das Training des langen, aber moderaten, Dauerlaufes mit hohen Kilometerumfängen ein. Er propagierte den täglichen Dauerlauf für jedermann, auch für Frauen, Alte und Kinder,  dazu eine maßvolle Ernährung. Als Vorsitzender und Trainer des von ihm 1953 gegründeten kleinen niederrheinischen Sportvereins „OSC Waldniel“ errang er mit seinen Aktiven insgesamt 15 deutsche Meistertitel und beriet darüber hinaus Läufer der Spitzenklasse. Van Aaken gilt ebenfalls als wichtigster Pionier des Marathonlaufes für Frauen.

Ronald Reng besucht für sein Buch auch ehemalige Mitstreiter, wie Jens Harzer, der jetzt im Norden als angesehener Schauspieler lebt. Er fragt ihn, welche Eigenschaften, die er als Läufer in seiner Jugend entwickelt hat, ihm später zugute gekommen sind. Und er war erstaunt, dass es die Konzentrationsfähigkeit ist. Sich als Schauspieler in eine Rolle zu versetzen, „der Andere“ zu werden, bedarf der Fokussierung und diese Fähigkeit ist für einen Läufer extrem wichtig.

Stefan Wohllebe, Dieter Baumann, Annemarie Flammersfeld, Thomas Hitzlsperger und Theresa Enke sind Läufer verschiedener Coleur, die porträtiert werden. Dabei wird mir aufgezeigt, dass Laufen auch eine Charakterschule ist und ein innerer Arzt. Sozusagen ein Allroundtalent! Ich musste es nur in mir entdecken – denn Laufen steckt uns Menschen in den Genen.

Stefan Wohllebe bringt Menschen wieder in Bewegung, Annemarie Flammersfeld ist bei der Four Desert Race mitgelaufen. Dieter Baumann hilft straffälligen Jugendlichen indem er Lauftrainings in den Strafvollzugsanstalten leitet. Theresa Enke hat durch das Laufen zum Leben zurückgefunden nachdem ihre Tochter im Alter von 2 Jahren gestorben ist und sich ihr Mann, der Fußballtorwart Robert Enke, in einer tiefen Depression das Leben nahm.

Allen ist gemeinsam dass Laufen mehr als Bewegung für sie ist.

Ronald Reng beschreibt die Themen, die mittlerweile mit dem Laufen untrennbar verbunden sind:

  • was soll, kann oder muss ich essen?
  • was ziehe ich an?
  • wie koordiniere ich mein Training?
  • brauche ich eine Pulsuhr?
  • wie sinnvoll sind Apps?
  • wie werde ich schneller?

Die Art und Weise, in der Andreas Pietschmann mir das Buch zu Gehör bringt, hat mir gefallen. Ein solches Buch werde ich mir ganz sicher noch ein drittes Mal anhören.

Mir hat das Buch Aufschwung gegeben – es missioniert nicht – es bestärkt mich nur.

Der Südkurier urteilt:

»Den besonderen Reiz von ›Warum wir laufen‹ macht Rengs persönliche Perspektive aus: Der Autor ist rund zwei Jahrzehnte lang selbst gelaufen; und dann zwölf Jahre gar nicht mehr. Sein Comebackversuch mit Mitte vierzig bildet den roten Faden des Buches.«

Das Hamburger Abendblatt merkt an:

»Reng geht das Thema auf interessante Weise an, und allzu bekenntnishaft und missionarisch ist ›Warum wir laufen‹ eben gerade nicht.«

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